7. Dezember 2011

Ein Brief ans Hamburger Schietwetter
























Liebes Hamburger Wetter,

obwohl dein Ruf Dir stets vorauseilt und du mit ihm das makellose Image der wunderschönen Hansestadt befleckst, habe ich mich trotzdem für einen Umzug in den Norden entschieden. "So schlimm kann es doch nicht sein" dachte ich mir jedes Mal, wenn du wieder zum Gesprächsthema gemacht wurdest. Und tatsächlich: bei meinen zahlreichen Besuchen im Sommer und zu den beiden letzten Silvesterabenden kam deine böse Seite nie zum Vorschein. Stattdessen wurde ich immer von einer strahlenden Sonne oder der gefrorenen Alster empfangen, sodass mir nichts anderes übrig blieb, als alle dir angelasteten Vorurteile als urbane Mythen abzustempeln und nach Hamburg zu ziehen. Vor anderen habe ich dich zu jeder Zeit mit meinem gesamten Herzblut in Schutz genommen, teilweise sogar regelrecht von dir geschwärmt! Aber nun weiß ich: das war alles Taktik! Ein durchtriebener Plan, um mich hinters Licht zu führen! Seit Tagen schon ist kein blauer Himmel mehr zu erkennen. Anstelle der Sonne werde ich nun von den an mein Fenster prasselnden Regentropfen geweckt. Du hältst mich davon ab, (pünktlich) zu Vorlesungen zu gehen, machst mein gesamtes Schuhwerk kaputt und sorgst für Lücken im Schichtplan beim Arbeiten. Sogar meine Haare können dich nicht leiden und kringeln sich deshalb jedes mal vor Wut, wenn sie dich zu Gesicht bekommen. Ab und an lässt du zwar immerhin ein paar Schneeflocken vom Himmel rieseln, doch wenn man sich gerade mit dem Gedanken eines weißen Wunderlandes anfreundet, hast du es dir schon wieder anders überlegst und schickst uns fiesen Nieselregen! Du lässt mir also keine andere Wahl: von nun an werde ich dich nicht mehr verteidigen, dich erst recht nicht mehr in den höchsten Tönen loben! Unsere bislang so harmonisch verlaufene Beziehung ist hiermit beendet. Ich will dich nicht mehr sehen und nichts mehr von dir hören. Freunde können wir, so wie es aussieht, leider auch nicht bleiben. Es sei denn, du änderst dich! Dann können wir nochmal über alles reden...

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